Was Worte nicht sagenEric Gauthier

Ich habe mich in die Bühne verliebt. Dieser Moment, wenn du vor Hunderten Menschen stehst. Das ist immer etwas Besonderes.

Mit neun Jahren besuchte ich das Musical Cats. Bis dahin war ich ein ganz normaler kanadischer Junge. Wie alle anderen wollte ich Eishockeyprofi werden. Aber dieses Musical änderte alles! Die Darsteller hatten mich begeistert. Ich sagte meiner Mutter, dass ich später genau das machen will. Sie antwortete: „Okay, du singst gerne! Aber du musst auch tanzen lernen.“ Also ging ich eine Woche später zum Ballett. So fing alles an!

Nach der Schule begann ich meine professionelle Karriere. Beim National Ballet of Canada in Toronto. Mein Chef war einer der Größten der Szene: Reid Anderson. Drei Monate nach meinem Start bekam er eine Anstellung in Stuttgart. Bei einer der besten Ballettkompanien weltweit. „Wenn jemand mitkommen will, soll er mich ansprechen“ ,sagte er uns. Was für eine Chance! Europa! Natürlich wollte fast jeder mitkommen. Ich meldete mich – und bekam den Job!

Ich erinnere mich gut an den Flug nach Stuttgart. Der Pilot sagte, dass wir bald landen würden. Ich schaute aus dem Fenster und sah eine kleine Stadt. Das war mein Eindruck für einen jungen Mann, der die letzten Jahre in Toronto lebte. Und der Anfang war nicht einfach. Ich konnte damals kein Deutsch. Und lebte alleine in einer Dachwohnung etwas Außerhalb. Meine Nachbarn waren älter. Keine idealen Bedingungen für eine 18-Jährigen.

Aber ich hatte ja das Tanzen. Darauf lag mein ganzer Fokus. Wenn wir Probe hatten, bin ich immer länger geblieben. Ich habe dann noch zwei Stunden für mich geübt. Die Karriere war alles für mich. Es ist beim Ballett ein bisschen wie beim Fußball. Du musst dich für die Startaufstellung empfehlen. Wenn du das nicht schaffst, dann ist es schnell vorbei. Natürlich war ich gut im Ballett. Aber ich konnte mich auch sehr sanft bewegen – wie eine Katze. Das war mein Vorteil. Deswegen haben Choreographen mich immer wieder als erste Besetzung genommen.

Mit 30 Jahren traf ich eine Entscheidung. Ich wollte meine eigene Tanzgruppe aufbauen. Der Chef vom Stuttgarter Theaterhaus bot mir eine Chance: „Alle mögen dich hier in Stuttgart“ ,sagte er mir. Das war der Beginn von Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart. Heute haben wir 26 Mitarbeiter. Eine richtige Erfolgsgeschichte! Und dabei sollte es nicht bleiben. Mit dem Colours International Dance Festival haben wir vor ein weiteres großes Projekt gestartet: Ein Tanzfestival mit 35.000 Besuchern. Drei Wochen mit den besten Tanzkompanien der Welt.

Was mich beim Tanzen am meisten fasziniert: Ich habe mich in die Bühne verliebt. Dieser Moment, wenn du vor Hunderten Menschen stehst. Das ist immer etwas Besonderes. It’s a joy! Und auf der anderen Seite ist es die Begeisterung. Man kann das Publikum bereichern. Durch den Tanz gibt man ihnen Emotionen. Etwas, was Worte nicht sagen können. Das ist großartig!