Über alle BergeKati

Wenn du am Limit bist, kannst du dich nicht mehr verstellen. Je höher die Anstrengung, desto echter das Miteinander.

Tag vier unserer Transalp-Tour. Die Sonne steht weit oben. Monoton quälen wir uns auf den Mountainbikes die nächste Steigung hoch. Hitze. Die vorherigen Tage hatten es bereits in sich. Mehr als 2.000 Höhenmeter haben wir jeweils hingelegt. Aber das hier ist nochmal eine Nummer härter. Ein Schweißtropfen läuft mir an der Wange herunter und tropft dann auf die heißen Kiesel am Boden. Immer weiter. Das ist das Einzige was mir in diesem Moment durch den Kopf geht. Nach einiger Zeit müssen wir eine kurze Pause einlegen. Ich schaue auf mein Handy. Eine neue Nachricht: Unser Rücktransport vom Lago hat sich zerschlagen…

Es sind diese Momente, die mich immer wieder faszinieren. Situationen, in denen alles zusammenkommt. Augenblicke, in denen man eigentlich hinschmeißen und aufgeben will. Was passiert in solchen Situationen mit mir? Was passiert mit der Gruppe? Wenn du am Limit bist, kannst du dich nicht mehr verstellen. Je höher die Anstrengung, desto echter das Miteinander. Doch so beschissen die Umstände manchmal sind. Eine Sache kann ich immer kontrollieren: Wie bewerte ich die aktuelle Situation? Gebe ich auf? Oder kann ich daraus etwas lernen?

Das Thema Persönlichkeitsentwicklung hat mich schon immer fasziniert. Und mit der Transalp-Tour wollte ich mich selber herausfordern. Fünf Monate haben wir dafür als Gruppe trainiert. Sieben Freunde und ich. Uns war von Anfang an klar: Wir möchten keinen Reiseleiter dabei haben. Stattdessen planten wir alles selber. Streckenführung. Übernachtungen. Verpflegung. Jeder hatte seine Aufgabe.

Die Tour startete dann denkbar schlecht. Am ersten Tag musste ein Teilnehmer unserer Gruppe abbrechen. Aber davon ließen wir uns nicht entmutigen. Tagsüber saßen wir auf dem Bike und versuchten viel Strecke zu machen. Abends kehrten wir dann meist in Berghütten ein. Übernachtung im 12er Schlaflager. Es war nicht immer einfach die nötige Regeneration zu finden. Aber man arrangiert sich mit der Situation.

Meine Erfahrungen möchte ich an andere weitergeben. Deswegen schreibe ich ein Buch über die Tour. Es richtet sich insbesondere an Frauen. Ich will ihnen Mut zusprechen. Es gibt leider noch zu viele Frauen, die mit sich hadern. Und nicht das Selbstbewusstsein aufbringen eine solche Tour in Angriff zu nehmen. Mein Bericht soll Ihnen helfen. Natürlich gehe ich dabei besonders auf die mentale Komponente ein. Wie behalte ich einen coolen Kopf, auch wenn es mal ungemütlich wird?

Dabei hilft mir auch meine berufliche Erfahrung. Ich habe Medizin studiert. Vorher ließ ich mich zur Fitness-Ökonomin ausbilden. Und jetzt arbeite ich als Personal Trainerin, gebe Kurse und halte Vorträge. Ich liebe Körperlichkeit. Wenn ich mich bewege, möchte ich dabei jeden Muskel spüren. Man kann durch Sport so viel erreichen. Auf Allen Ebenen. Sowohl geistig als auch körperlich. Es ist ein Geschenk!