Sport, Springen, SingenLinda

“Ich kann doch jetzt hier nicht…” Keine fünf Sekunden später fing ich an.

Als ich mit Anfang zwanzig nach Berlin kam, merkte ich, dass mir etwas fehlte.
Sport? Damit hatte ich nicht viel am Hut.
Beim Dauerlauf in der Schule war ich die, die sich hinter einem Baum versteckte, anstatt mitzulaufen.
Ich habe zwar als junges Mädchen verschiedene Sachen ausprobiert und habe mal Volleyball oder Fußball gespielt und war auch für zwei Wochen im Leichtathletik, aber das war alles nichts für mich.

Nichts hat mich so sehr erfüllt wie die Musik!
Ich sang und tanzte durch die Wohnung. Ich bekam Gesangsunterricht und habe früh für mich entschieden:
Ich will Sängerin werden!

Ich wusste das schon sehr früh!
Schon mit 17 Jahren habe ich bei einer Castingshow im Fernsehen mitgemacht.
Mit 20 startete ich mit meiner ersten Band („Wir Drei“). Wir sangen und haben auf der Bühne viel getanzt. Auch für die Musikvideos haben wir kleine Tanzchoreografien geübt. Ich empfand das aber nie wirklich als Sport.

Nach zwei aufregenden Jahren kam das Ende der Band.
Meine Kollegin war schwanger, die andere war mitten im Abitur und ich wollte mich voll auf meine Solokarriere konzentrieren.
Nach dieser wilden Zeit wurde es plötzlich ruhig. 
Ich saß alleine in Berlin und merkte, dass mir irgendetwas fehlte.
In dieser Findungsphase meldete sich mein Körper:
„Hallo Linda, ich bräuchte dann auch mal wieder ein bisschen Beschäftigung!“.

Ich hatte keine Lust auf Laufen gehen oder auf Fitnessstudio, deshalb suchte ich nach etwas, was unkompliziert möglich ist.
Dann sah ich das Springseil in der Ecke liegen. Meine Mutter hatte das irgendwann ein mal geschenkt bekommen und bei mir liegen gelassen.
Einen kurzen Moment dachte ich:
“Ich kann doch jetzt hier nicht…”
Keine fünf Sekunden später fing ich an Seil zu hüpfen.

Und so komisch das klingen mag. Ich fing wirklich an Seilzuspringen zu Hause, in meiner kleinen Wohnung in Berlin.
Ich hatte Glück, denn die Nachbarn unter mir waren scheinbar sehr großzügig und gönnten mir mein neues Sport-Hobby.

Für mich war das Seilspringen die schnellste und unkomplizierteste Lösung wieder in Bewegung zu kommen. 

So hüpfte ich und hüpfte ich, schaute nebenher Fernsehen und kam richtig an meine Grenzen. Am Anfang schaffte ich gerade mal fünf Minuten am Stück. Dann nahm ich mir 20 Minuten vor und am Ende sprang ich irgendwann sogar 60 Minuten.
Das machte ich zwei bis dreimal die Woche. Für mich war das sehr effektiv. Ich wurde immer fitter.

Das war mein perfekter Einstieg in die Sport-Welt. Denn beim Seilspringen allein blieb es nicht lange.

Inzwischen trainiere ich zusätzlich mit einer tollen Trainerin High-Intensity-Training und mache regelmäßig Gruppentrainings mit.
Gerade die Gruppentrainings waren für mich am Anfang ideal. Das war eine tolle wöchentliche Routine, wo man immer die gleichen, netten Menschen gesehen hat. Bis dahin hatte ich in Berlin nur mein Musik-Umfeld. Und da ich nicht in Berlin studiert habe, dort nicht zur Schule gegangen bin oder eine normale Arbeit hatte, war es immer schwieriger soziale Kontakte aufzubauen. Auch dafür war das Gruppentraining perfekt.

Ich kann mich dort auspowern.
Ich bin fit.
Es fühlt sich einfach gut an!
Ich motiviere gerne die anderen im Team, denn ich bin ehrgeizig und zielstrebig, aber nicht mit Ellenbogen!
Das gleiche gilt auch für mein restliches Leben.

Wenn ich dann wieder auf einer Bühne stehe und singe, ist der Sport ganz weit weg. Ich kann mich dann voll auf meine Show konzentrieren. 
Genug Luft hab’ ich ja!