Vom Strand zum FC LiverpoolRaphael

Ich hatte Talent. Auch meine Trainer sahen das und gaben mir früh Bestätigung. So wuchs in mir ein Traum.

Manchmal schließe ich meine Augen und träume mich zehn Jahre zurück.
Barbados. Karibik. Weiße Strände. Die Jahresdurchschnittstemperatur: 26° Celsius.
Dort habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht. Und dort wuchs ein großer Traum in mir!

Geboren bin ich in Berlin. Doch in Deutschland blieb ich nicht lange. Als ich drei Jahre alt war ging es für mich und meine Familie in die Karibik. Kleine Kinder kommen mit Veränderungen leicht zurecht, denn es gibt ja sowieso jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Und so war die Umstellung Berlin-Barbados für mich etwas ganz Natürliches.

Ich war fünf Jahre alt als ich den Fußball entdeckte. Oder vielleicht entdeckte er mich? Wie auch immer es war… Der runde Ball würde mich von da an noch lange begleiten. Ich wurde Torwart. Und ich hatte Talent. Auch meine Trainer sahen das und gaben mir früh Bestätigung.
So wuchs in mir ein Traum: Fußball Profi zu werden.

Mein damaliger Club auf Barbados hatte eine Partnerschaft mit der Nachwuchsschmiede des FC Liverpool. Alle zwei Jahre wurden einige Spieler ausgewählt, die sich auf den weiten Weg nach England machten und dort unter besten Bedingungen trainieren durften.
Und ja, ich war einer der Glücklichen. Und so ging es für mich bald ins Vereinigte Königreich. England!
Eine andere Welt!

Wir trainierten jeden Tag.
Die Liverpool Academy stellte uns ihre Plätze und ihre Top-Trainier zur Verfügung und wir hatten Testspiele gegen die Teams der Liverpool-Jugend. Es war eine Art intensives Kurztrainingslager.
In Erinnerung geblieben ist mir auch ein Besuch der Liverpool Coaches auf Barbados. Sechs Wochen trainierten wir dort intensiv an meinen Torwart-Fähigkeiten. Und mein Mentor war die englische Torwartlegende David Seaman!

Er bestätigte mir das, was ich bereits wusste: Meine große Stärke war die Reaktionsschnelligkeit. Auf der Linie machte mir niemand so schnell etwas vor. Doch es gab auch die Schattenseiten: lange, platzierte Bälle. Damit tat ich mir schwer. Und dies konnte ich nicht einfach durch Training wettmachen, denn es lag an meiner Größe. Im bestem Jugendalter war ich für einen Torwart zu klein um es nach ganz oben zu schaffen. Es war keine Entscheidung von einem Tag auf den anderen.

Es war eher ein schmerzhafter Reifeprozess, den ich über einen längeren Zeitraum durchmachte.
Am Ende stand die Erkenntnis: Der Traum ist vorbei…Ich werde kein Profi.

Mit 18 kehrte ich zurück nach Berlin.
Mein neues Ziel war es hier ein Studium zu beginnen. Doch der Anfang war alles andere als leicht. Das Wetter! Die Menschen! Die Atmosphäre! Irgendwie wirkte alles auf mich kühl. Mir wurde gesagt, dass meine Abschlüsse aus Barbados hier nicht anerkannt werden. Ich zog mich zurück. Mein Tiefpunkt war erreicht.

Irgendwann traf ich auf diesen Jungen.
Er machte auf mich einen netten Eindruck. „Pack deine Trainingssachen ein!“, rief er mir zu und nahm mich am selben Tag mit ins Fitnessstudio. Ich war direkt Feuer und Flamme! Jedes Training gab ich Vollgas. Mein Körper entwickelte sich schnell. Ich gewann an Muskelmasse und wurde definierter.
Fitness, meine neue Leidenschaft.

Inzwischen bin ich 27.
Ich habe mein Fach-Abi gemacht, anschließend studiert und arbeite jetzt als Innenarchitekt. Es ist einfach überragend seine Kreativität bei der Arbeit ausleben zu können. Mein Kindheitstraum hat sich leider nicht erfüllt.
Aber der Sport spielt nach wie vor eine zentrale Rolle in meinem Leben. Nach Feierabend geht es entweder ins Fitnessstudio oder zum Laufen.
Und auch der Fußball ist wieder zurück in meinem Leben.

Seit ein paar Jahren spiele ich in Berlin wieder im Verein mit ein paar Freunden. Bezirksliga. Nicht der Rede wert, aber dort bin ich Feldspieler und es macht mir einfach richtig Spaß.
Lange Rede, kurzer Sinn:
Egal wo, egal wie alt. Sport ist einfach geil und wird immer ein Teil meines Lebens sein.
Und die Erinnerungen bleiben!