Mindset ist das Wichtigste!Borger und SUde

Beachvolleyball ist so vielfältig, komplex und man muss so belastbar und flexibel auf alle Situationen reagieren, physisch und psychisch. Es ist ein toller Sport, den man unter freiem Himmel spielen kann. Ob zu zweit, zu dritt, zu viert, zu fünft, ob groß oder klein, männlich oder weiblich. Wir lieben das und halten uns nur schwer mehrere Tage ohne einen Ball in der Hand und Sand unter den Füßen aus.

Es fühlte sich von Anfang an sehr vertraut an.

Seit so ziemlich genau einem Jahr spielen wir nun im Team. Wir haben auch sehr schnell rausgefunden, dass wir die gleiche „Sprache“ auf dem Feld sprechen und hatten das Gefühl, dass wir schon ewig zusammen spielten. Außerdem spielten wir ja auch in der Vergangenheit bereits zwei Turniere zusammen – ganz neu waren wir uns also nicht.

Das erste „richtige“ gemeinsame Match war damals bei einem nationalen Turnier in Sydney. In Manly am Beach ist ununterbrochen Wind und dann wir als frisches Team zusammen auf dem Feld… das war schon sehr aufregend. Wir haben uns aber auch dort schnell zusammengefunden und festgestellt, dass wir beide mit solch schwierigen Bedingungen gut umgehen können. Und sogar Spaß am Wind hatten.

Permanent zu zweit im Team unterwegs zu sein, zu spielen, zu reisen ist nicht immer einfach. Wir sind sehr unterschiedliche Typen, haben unterschiedliche Bedürfnisse und Rhythmen. Damit das gut funktioniert mussten wir erst einmal herausfinden, was wir als Individuum brauchen, um erfolgreich spielen zu können. Dann schaut man wie das beides zusammenpasst. DAS Geheimnis gibt es allerdings nicht. Ähnlich wie in einer „richtigen“ Beziehung, muss man gemeinsam durch Höhen und Tiefen gehen. Wir brennen beide für ein gemeinsames Ziel, machen viel zusammen, respektieren aber auch die Privatsphäre des anderen und bauen Pausen ein, in denen wir individuell trainieren oder uns mal nicht sehen – so funktioniert das für uns super. 🙂

Vor den Spielen setzen wir uns meist zusammen und schauen Videos der anderen Teams, um uns gemeinsam eine Taktik zurechtzulegen. Wir versuchen jedes Turnier bzw. Spiel einzeln und als gleich wichtig und unabhängig zu sehen und uns dann so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Mit der Zeit haben wir unsere eigenen Abklatschtriutale und Sprüche entwickelt, die wir während des Matches austauschen. Ansonsten hat natürlich auch jeder selbst noch seine eigenen Rituale, um sich auf Turniere etc. vorzubereiten oder die Aufregung zu nehmen.

Beachvolleyball gehört zu den „mindfuck“ Sportarten. Mindset ist Alles.

Wir arbeiten, was die Vorbereitung angeht, aber auch mit einem Sportpsychologen zusammen, der uns zum einen als Team als auch einzeln auf alle Situationen auf und ums Feld vorbereitet. In der Weltspitze entscheidet oft der Kopf ein Spiel und macht die letzten paar Prozent aus. Unser Sport gehört klar zu den „mindfuck“-Sportarten. Mindset ist das Wichtigste! Die Zusammenarbeit mit unseren Sportpsychologen hilft uns da sehr bei der Motivation, der Zielsetzung, Erholung, Entspannung und dem Umgang mit Druck. Wir erarbeiten uns da eigene Tools, die wir dann während des Spiels auslösen können, um fokussiert und konzentriert zu sein.

Vielleicht war es genau diese Vorbereitung, die uns geholfen hat, 2019 deutscher Meister zu werden. Das war bisher auf jeden Fall unser Highlight.

Das Finale hatten wir eigentlich dominiert und hätten 2:0 gewinnen müssen. Jedoch kam es dann zu einem Wackler und wir haben es fast noch aus der Hand gegeben. Im Entscheidungssatz lagen wir sogar noch hinten und es sah echt nicht gut für uns aus. ABER… wir haben uns nicht verunsichern lassen, haben uns fokussiert und mit dem Glauben an uns zurück gekämpft und uns den Titel geholt. In solchen Momenten sind wir so im Fightmodus, denken nur an den nächsten Ballwechsel – wie eine laufende Maschine, sodass wir es nach Abpfiff erstmal nicht realisieren konnten. Dieses Gefühl ganz oben auf dem Treppchen zu stehen ist mit nichts zu vergleichen. Für dieses Glücksgefühl trainieren wir jeden Tag. Dieses Jahr steht dann die Quali für die olympischen Spiele in Tokio an, wo wir unsere Bestleistung abrufen wollen und es einfach genießen wollen. Das wird spannend und wir werden alles geben.

Unser Training dafür ist sehr vielseitig. Wir machen viel Krafttraining und Ausdauer im Kraftraum. Dazu kommt noch Techniktraining im Sand. Je näher die Saison rückt, desto sportartspezifischer wird unser Training. Wir machen dann mehr Athletik im Sand und spielen öfter gegen Teams, um die Spielpraxis zu erhalten. Durchschnittlich trainieren wir aber so 2 x 2 Stunden am Tag. Plus Physiotherapie, Massage, organisatorische Aufgaben, Sponsorentermine und Interviews.

Auch abseits des Feldes hat uns der Sport bereits einiges gelehrt. Man lernt sich selbst und den anderen in Drucksituationen sehr gut kennen. Und, dass es für alles Lösungen gibt. Besonders wenn man für etwas brennt. Ein Ziel vor Augen hat und mit Vollgas darauf hinarbeitet.