Meinen „Ursprung“ habe ich im Ballet.Sima

Wie es oft in russischen Haushalten ist, bin ich mit drei Jahren zum Ballett gekommen. Ich bin froh, dass ich ab dann etwa fünf Jahre lang Unterricht hatte, weil ich so eine gute Grundlage hinsichtlich meines Körpergefühls- und Haltung entwickeln konnte, auf die ich bis heute noch baue. Ich hatte außerdem das Glück, eine eher unkonventionelle Mama zu haben, die mit mir als Säugling schon therapeutische Yogaübungen machte, mir schon in jungen Jahren von Meditation erzählte und meine kreative Ader immer sehr geschult und gefördert hat. Vom Wesen her bin ich schon immer jemand gewesen, der überdurchschnittlich viel Energie hat, was es gerade als Kind notwendig machte, mich sportlich zu betätigen. Über die Jahre habe ich mich dann im Jazzdance, Schwimmen und im leichtathletischen Bereich ausprobiert – es gab immer viele Probleme zu Hause und ich konnte so schweren emotionalen Ballast wirklich erfolgreich kompensieren.

Weil ich in der Grund- und Oberschule immer schon an Wettläufen teilnehmen sollte und auch beim Tanzen immer mehr Auftritte und Wettbewerbe mitgemacht habe, verlor ich mit der Zeit zunehmend die Lust an alledem. Überall ging es nur ums Abliefern, Gutsein, Beweisen, was man kann usw. Und der Grund, warum ich mich bewegte, war plötzlich nicht mehr organisch, nicht mehr echt – ich habe es ja doch nur FÜR etwas (für’s Team, für Geld, für gewisse Standings) gemacht, aber nicht mehr aus Liebe.

Mit etwa 17 habe ich dann ganz aufgehört zum Training zu gehen, war nicht mehr tanzen, nicht mehr schwimmen, nicht mehr laufen, habe nicht einmal mehr Yoga praktiziert, nicht meditiert, nichts.

Es ist sehr schwer den tatsächlichen Auslöser für diese sportliche Absitzen zu rekapitulieren, weil zu jener Zeit recht viele mögliche Ursachen aufeinander trafen. Mit 16 verlor ich meinen Vater, mit 17 ging meine erste Beziehung – die mich sowieso schon am Sporttreiben hinderte – zu Bruch, meine Mutter hatte ein Alkoholproblem entwickelt und ich habe versucht den Haushalt und mein Abitur zu meistern ohne selbst daran zu zerbrechen. Ich habe über meine Kindheit hinweg ein hohes Maß an Resilienz aufbauen können, weil wir es nie leicht hatten – dafür bin ich heute immens dankbar. Und ohne den daraus resultierenden Willen, es besser zu machen oder werden zu lassen hätte ich sicher nicht die Reife beweisen können, die sich dann als essentiell erwiesen hat. Dementsprechend hat sich meine damals unterbewusste Priorität, Sport zu treiben, doch recht schlagartig zu einer vergleichsweise komplett irrelevanten Sache entwickelt.

Die Zeit ohne Sport war mit Abstand der dunkelste Abschnitt meines bisherigen Lebens.

Dieser Abschnitt dauerte etwa 2 Jahre, in der ich retrospektiv auch definitiv die schlechteste Version meiner selbst auf jeglicher Ebene war: Ich hatte keine ehrliche Perspektive für mich und habe gelernt, was Selbstmitleid ist und was es mit dir macht. Sehr schicksalhaft kam ich dann ins Gespräch mit einer Sportstudentin in Potsdam, die sich im Grunde nur über das Sportstudium beschwerte, in mir aber eine völlig unerwartete Reaktion auslöste – auf einmal war ich wieder so interessiert an einer Sache, so neugierig und motiviert. Diese Motivation resultierte in etwa 3 Monaten intensiven Trainings, wodurch ich in kürzester Zeit wieder den Großteil meiner Fitness zurückgewann und die Sportprüfung in Potsdam meisterte.

Ich wollte unbedingt Sport studieren, unbedingt probieren, ob das nicht etwas für mich ist und wusste intuitiv aber auch, dass ich mir damit viele Türen öffnen würde. Alles was ich heute bin und mache resultiert aus dieser Reise – ich fand zu meinem selbstbewussten Ich zurück, lernte im Studium meinen Freund kennen, habe so viel Lehrerfahrung sammeln können, wurde Fitnesscoach, intensivierte auch meine Yogapraxis und brachte sie auf ein neues Level, das es mir heute möglich macht zu unterrichten, bin heute Adidas Runners Captain und sammele ganz einzigartige Erfahrungen (wie kürzlich erst einen alpinen Trailrun, der mir meinen Traum erfüllte, in einem eiskalten Bergsee auf über 2000m Höhe zu baden). Das Gefühl, dass ich das Richtige tue habe ich seither. Und alle Dinge – alle Möglichkeiten – eröffnen sich ganz logisch oder auch mal ganz schicksalhaft, aber immer im Sinne einer Weiterentwicklung – das ist für mich ein eindeutiges Zeichen, richtige Entscheidungen getroffen zu haben. Auch wenn ich nicht glaube, dass Sport die tatsächliche Quelle des Selbstwertes ist, verfügt die körperliche Auseinandersetzung und Entwicklung, primär aber die Widmung demgegenüber über vergleichsweise starke Basisimpulse, die im Endeffekt immer auf die gleiche Quintessenz deuten: Arbeit wird belohnt. Widmest du dich einer Sache vollständig und räumst ihr notwendige Priorität ein, wirst du beobachten können, wie sich sich weiterentwickelt und verfestigt. Diese Erkenntnis ist essentiell, um sich Selbst vertrauen zu können.

Angefangen beim Problem des Leistungsgedankens und der Kompetitivität, den ich während meiner sportlichen Reise erfahren habe, lässt sich die Entwicklung meiner geistigen Haltung zu den Dingen parallel zu meiner sportlichen Aktivität zurückführen – was im Endeffekt meinen Glauben bestärkt, dass körperliche Aktivität den Zugang zu mentalen und metaphysischen Türen des Bewusstseins öffnet. Ich glaube fest daran, dass Achtsamkeit beim Körper beginnt und sich von dort an über unendliche Weiten erstrecken kann, wenn eine entsprechende Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung an sich stattfindet.

Ganz abgesehen von rein psychosomatischen Folgen, wie der Reduktion des Stressempfindens. Für mich ist also die Verbindung zwischen Körper und dem, was darüber hinaus geht, unheimlich wichtig geworden, aber eben erst als sie mir wirklich bewusst wurde. Für mich hat sich Sport in meinem Verlauf definitiv von einer anfänglichen Freizeitbeschäftigung zu Sport als eine höhere Bestimmung entwickelt.

Aktuell habe ich einen Alltag, der Fokus auf verschiedensten Ebenen erfordert, weil ich mehrere Projekte mit ähnlicher Priorität verfolge. Dementsprechend spielt Sport für mich gerade auch eine verbindende sowie ausgleichende Rolle, weil jede der Aufgaben von einer starken, ausgeglichenen und geduldigen Sima profitiert und ich außerdem das Gefühl behalte, meine physische und psychische Gesundheit in der Hand zu haben und ihr trotz Zeitmangel die zustehende Widmung zu leisten.

Momentan brenne ich für die Kombination aus Yoga, Kraftsport und Laufen, weil es mir alles gibt, was ich momentan brauche – gleichzeitig spiegelt diese Bandbreite aber auch Persönlichkeitszüge von mir wider: Mit dem Training arbeite ich daran, eine zunehmend geduldige/ausdauernde (Running), ausgeglichenere /flexible (Yoga) und starke sowie widerstandsfähige (Weightlifting) Person zu werden. Tatsächlich fühle ich mich momentan aber auch sehr zu den Martial Arts hingezogen, was interessanterweise auch sicher mit meinem empfundenen Mangel an Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit sowie spielerische Interaktion zusammenhängt. Durch solche Zusammenhänge wird in meinen Augen sehr deutlich, wie Sport uns auch auf menschlicher Ebene weiterentwickeln kann.

Meine Vision reicht über Sport als sozialen und gesundheitlichen Mehrwert hinaus.

Die meiste Zeit meines sportlichen Lebens habe ich im Individualsport verbracht. Seit ich Captain der Adidas Runners Berlin bin, zehre ich tagtäglich von der Inspiration durch die Menschen um mich und habe hierfür auch, unabhängig vom Laufen, ein starkes Bewusstsein gegenüber der kollektiven Kraft einer solchen Community entwickelt.

Abgesehen von der Tatsache, dass dich eine laufende Gruppe energetisch versorgt und mitzieht, ist es unvergleichlich, Teil von wesentlichen Entwicklungsprozessen anderer Menschen sein zu dürfen. Besonders für Einsteiger, die sich selbst noch nicht in festen sportlichen Routinen erlebt haben, sind diese Erfahrungen unvergleichlich starke Motivationsaspekte, die über ihre Haltung zum Sporttreiben entscheiden können.

Als Coach möchte ich die nötige Inspiration, aber vor allem auch Horizonterweiterung für andere Menschen geben, die Schwierigkeiten haben, an ihre Fähigkeiten zu glauben. Ich glaube an verborgene Kräfte der Menschheit selbst und möchte auf meinem eigenen Weg der Erforschung dieser soviele andere Menschen wie nur möglich mitnehmen – sie befähigen tatsächlich Herr oder Frau über ihre Wahrnehmung ihres Lebens, ihrer Realität zu werden.