Mein WegSeyit

“Wie geht das? Der hat doch noch vor ein paar Jahren Pizza ausgeliefert!“

„Hier müssen Sie ihren Namen eintragen“,
sagte der Filialleiter von Crazy-Croque zu mir und schob mir den Mini-Arbeitsvertrag rüber. 
Ich schaute auf die zwei Zettel, zwei DIN-A4-Seiten.
Bei Lohn unter Punkt 5.) stand 4,10 Euro pro Stunde. Echt krass wenig Geld.
Doch das war mir egal. Ich brauchte die Kohle dringend, also unterschrieb ich mit:
„Seyit Ali Shobeiri“.

Das Ganze ist 10 Jahre her und die Geschichte ist kein Geheimnis.
Das wissen viele hier in Hamburg. Damals haben sie Croques & Pizza bestellt und ich kam an die Tür. 

Jetzt sehen sie mich heute als Coach-Seyit und denken:
„Boah, der ist im Radio und TV, deutschlandweit unterwegs, und auf dem Cover großer Fitnessmagazine. Wie geht das?
Der hat doch noch vor ein paar Jahren Pizza ausgeliefert!“

Ich erzähle Euch meine Geschichte.
Mein Name ist Seyit Ali Shobeiri.

Meine Mutter war 1986 mit mir schwanger.
In diesem Jahr ist sie alleine aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Die ersten Jahre kamen wir in ein Asylheim in Quickborn, nördlich von Hamburg. Als wir dann endlich einen Aufenthaltstitel bekamen, suchte meine Mutter für uns eine eigene Wohnung.

Wo kriegt eine solche Person eine Wohnung? Richtig! Im Plattenbau.
Im sozialen Brennpunkt im 10. Stock.
So kam ich nach Billstedt/Mümmelmannsberg in die Paul-Klee-Straße Nummer 10.
Es dauerte nicht lange, da war für meine Mutter klar: 

“Wenn dein Sohn hier aufwächst, dann muss er sich verteidigen können.”
Kurz darauf meldete sie mich im Judo-Training an. Da war ich gerade 6 Jahre alt.
Ich fing auch an Fußball zu spielen und machte bald auch Taekwondo, weil noch mehr Voll Kontakt suchte. Jeden Tag war ich sportlich unterwegs.
Als ich zehn war kam mein Bruder auf die Welt. Das bedeutete für mich noch mehr Verantwortung! 
Boxen war zu dieser Zeit total angesagt und ich kam gerade in die Pubertät, sodass ich Judo und Taekwondo nicht mehr so cool fand. 

Ich wollte boxen wie Muhammed Ali.
Im Boxen war ich ein Naturtalent, sodass ich schon mit 15 Jahren einen großen Kampf mit Gage machen sollte. Meine Mutter hatte da aber eine andere Meinung als meine Trainer und verbot es mir den Kampf zu machen. Ich sollte mich auf die Schule konzentrieren. 

Ich trainierte trotzdem weiter wie ein Verrückter und wechselte zum Muay Thai.
Nach 3 Monaten Muay Thai training habe ich direkt an Kämpfen teilgenommen und auch erfolgreich an einer Deutschen Amateur Meisterschaft. Das war dann auch okay für mich. 

Es gab viele Leute, die sich plötzlich für mich interessierten.
Heutzutage machen viele Menschen Kampfsport – auch normale Leute. 
Damals war das noch anders! 

Ein normaler Typ, der im Büro arbeitet, hätte damals keinen Kampfsport gemacht.
Die Kampfsportwelt bestand aus harten Jungs, die nicht „Bürokaufmänner“ waren. Diese Jungs haben Kampfsport gemacht und in der Nacht ihr Geld verdient. 
Immer wieder tauchten Gestalten auf, die dicke Bündel Geld aus ihren Hosentaschen holten und mich nach dem Training zum Essen einluden. Ich sah bei denen das erste Mal 500 Euro Scheine.
Dann sitzt man am Tisch und wird gefragt: „Brauchst du Geld? Brauchst du einen Job? Du kannst für uns arbeiten“.

Ich habe aber immer NEIN gesagt.

Denn der Kampfsport hat nicht nur meinen Körper stark gemacht.
Ich habe durch ihn auch richtig viel Selbstbewusstsein bekommen. 
Und egal wer da mit mir am Tisch saß, meine Antwort war immer die selbe: 
„NEIN!“ 
Ich muss aufpassen was mit mir passiert. Ich habe Verantwortung für meine Familie, für meinen kleinen Bruder!.

Die lila Scheine sah ich deshalb nie.
Ich musste Zeitungen austragen und für Kioske Flyer verteilen.

Ich war 17 Jahre alt, ein junger Typ, Schüler, Kampfsportler…
…so ein richtiger Hamburger Junge, der im sozialen Brennpunkt groß geworden ist und sich unbedingt rausarbeiten wollte.

Und genau in dieser Zeit kam die Nacht am 17. September, in der fast mein Leben geendet hätte.

Fortsetzung folgt. (Mehr zu Seyit –> weiter unten)

Coaching-Tipps und Trainingspläne

Für Seyits Coaching-Tips und Trainingspläne hier anmelden!

Unter allen Teilnehmer*Innen verlosen wir eine Personal-Training-Einheit mit Coach Seyit (in Hamburg).