Mein Sport macht mir einfach unglaublich viel Spaß.Sophia

Angefangen hat alles mit dem Moto Cross fahren. Mit 4 Jahren hatte ich dann aber einen Sturz und bin aufs Kart umgestiegen – es hat 4 Räder und kann nicht umfallen. Das habe ich dann bis 2014 gemacht bevor ich dann in den professionellen Formelsport eingestiegen bin.

Rennwagen fahren ist Hochleistungssport.

Alle die Gegenteiliges sagen, saßen vermutlich noch nie in einem Rennwagen. Dazu gibt es sogar zahlreiche Untersuchungen. Ein Beispiel: Bei jeder Bremsung tritt man mit ca. 100-140kg gegen die Bremswand und muss dabei auf den Millimeter genau den Bremspedalweg für die optimale Bremskurve modellieren. Wir reagieren und koordinieren im 1/1000s Bereich bei Geschwindigkeiten von 300km/h und mehr. Das bedeutet, der Rennwagen legt 83m pro Sekunde zurück – wir treffen dabei  Brems- und Einlenkpunkte auf 10-50cm genau. Bei höchsten Pulswerten treffe ich in Sekundenbruchteilen Entscheidungen – sind sie falsch, kann es fürchterlich ausgehen. Ich empfehle jedem mal eine Runde auf der Nordschleife in einem Renntaxi mitzufahren. Danach ist sicher auch der größte Kritiker davon überzeugt, dass Motorsport Hochleistungssport ist.

Das bedeutet natürlich auch, dass körperliche Fitness in diesem Sport ebenfalls sehr wichtig ist. Zum einen um die körperlichen Belastungen wie Bremsen, Lenken, Querbeschleunigungen bis zu 5g etc auszuhalten bzw. trotzdem über eine Renndistanz 100% leistungsfähig zu sein. Bei einem Rennen nehme ich größte Mengen an Informationen und Sinneseindrücken war und muss diese sekundenschnell verarbeiten. Mentale Stärke ist in meinem Sport sehr, sehr wichtig. Sie entscheidet über Sieg oder Niederlage. Nicht nur Rennen, auch im Zeittraining, wenn es darauf ankommt in einer entscheidenden Runde alles aus dem Auto, den Reifen, der Strecke und dem eigenen Körper herauszuholen. Da muss man im Kopf auch 100% fixiert sein. Regenrennen sind mental unglaublich fordernd. Wir fahren am physikalischen Limit mit jenseits von 200km/h quasi im Blindflug. Da steig man aus und ist im Kopf total ausgelaugt. Wir üben diese Konzentration in der Regel im Rennsimulator. Diese Geräte sind mittlerweile unglaublich realistisch. Wir können dabei jede Rennsituation und quasi jede Renndauer simulieren und das bei relativ geringen Kosten. In Motion-Sims können wir Lenkkräfte, Bremsen und Fahrzeugmovement nachbilden und so die Sinneswahrnehmung und Konzentration trainieren. Das funktioniert aber nur wenn Körper und Geist beide optimal trainiert und vorbereitet sind. Mein körperliches Training dafür ist eine Mischung aus Ausdauer-, Schnellkraft-, Koordinations- und Reaktionstraining. Mein Körpergewicht muss ich dabei immer im Blick haben und ernähre mich nach einem Ernährungsplan. Salate, viel Gemüse, immer wieder mal Pasta. Weißes Fleisch und Fisch. Da ich viel trainiere, gibt’s auch mal Pizza. Ist zwar nicht richtig, schmeckt aber. Ich finde diesen ganzheitlichen Ansatz super.

Mein Sport macht mir einfach unglaublich viel Spaß.

Es gibt so viele Herausforderungen, die mich immer wieder neu motivieren. Ich stelle mich den Aufgaben und versuche das Beste daraus zu machen. Im Rennsport heißt das leider, dass man nicht immer gewinnt, weil man auch sehr von der Technik und dem Team abhängig ist. Wir gewinnen und verlieren zusammen. Wenn ich selbst weiß, alles gegeben zu haben, macht mich das glücklich. Siege und Podien sind natürlich immer schön. Meine schönsten Erlebnisse bisher waren mein erste Sieg in der Ginetta Junior Championship in England. Daraus wurde dann sogar ein Doppelsieg. Oder mein 3. Platz in der Formel 4, mein erster Punkt in der FIA F3. Da gibt es viele einzelne Momente. Oder als mich jemand von Red Bull bei einem Kartrennen ansprach, ob ich Lust hätte im Red Bull Simulator Programm mitzumachen. Oder kürzlich mein erster Formel E Simulator Test bei HWA. Wie gesagt, da gibt es viele tolle Ereignisse bisher.

Ein weiteres tolles Erlebnis war der Moment in dem ich das erste Mal nach meinem Unfall 2018 wieder im Auto saß. Ich hatte Gänsehaut. Aber nicht aus Angst, sondern vor Freude. Die Wochen der Reha nach dem Unfall und die Ende Januar begonnene Vorbereitung kamen mir so lange vor. Für mich war der Moment des Comebacks ein unglaubliches Glücksgefühl. Dort weitermachen wo ich wegen des unverschuldeten Unfalls aufhören musste, war mein Ziel.

Mein Traum ist die Formel 1

Dass dies vor allem eine Männerdomäne ist, ist für mich erst Recht Motivation es zu schaffen. Das ist sicher nicht der Hauptgrund, warum ich von der Formel 1 träume, aber sie ist schließlich die meistbeachtete Rennserie und der F1-Weltmeister-Titel findet die höchste Anerkennung im Motorsport. Ich will meinen Sport einfach in Perfektion ausüben. Sitzt du im richtigen F1-Team, wird der oder die Beste dann eben auch Weltmeister. Als Frau oder Mädchen hat man genau die gleichen Chancen wie als Junge oder Mann. Man muss genauso viel und leidenschaftliche trainieren wie die Jungs. Es ist oft hart und anstrengend. Aber wenn man Spaß an der Sache hat zieht man es durch. Man muss immer an sich glauben, Rückschläge wegstecken können. Im Auto werden die Karten neu gemischt. Wer erst mit 12-24 Jahren beginnt, hat es natürlich, wie in jedem anderen Sport, schwerer gegen die Fahrer die den Sport mit 6 Jahren begonnen haben. Leider entscheidet im Motorsport oft das Budget über den Erfolg. Viel Training kostet viel Geld.

Männer reagieren auf mich im Sport ganz normal. Im Rennsport muss jeder Fahrer sich Respekt erfahren. Wenn du im Weg stehst, wirst du früher oder später weggeschubst. Egal ob Frau oder Mann. Ich will auch unbedingt vorbei, wenn ich aufgehalten werde. Dass es trotzdem kaum Frauen auf ein Podium schaffen ist reine Mathematik. Wenn auf 100-200 Jungs im Kartsport nur ein Mädchen kommt, wird es am Ende natürlich sehr schwer. In der Formel 1 gibt es nur 20 Cockpits für alle Talente der Welt. Dazwischen liegen 15-20 Jahre mit jeder Menge von Gründen, den Sport aufzugeben: Keine Förderung, kein Budget, Schule, Familie usw. Mädchen fehlt im Kart oft der Erfolg, weil sie im Vergleich zu Jungs körperlich im Alter von 6-15 Jahre benachteiligt sind. Mädchen sind größer und schwerer. Beide sind im Kart wichtige Erfolgskriterien. Das heißt es fehlt zum entscheidenden Moment vom Wechsel von Kart ins Auto an vorzeigbaren Erfolgen. Für mich ist das keine Frage von Talent. Leider werden Mädchen genau dann nicht gefördert. In Deutschland gibt es keine einzige sinnvolle Nachwuchsförderung.

Ich wurde durch meinen Sport sehr schnell erwachsen.

Meine Freunde waren meistens 2-3 Jahre älter als ich. Ich bewegte mich mehr in einer Erwachsenenwelt. Durch die vielen Reisen lernte ich Englisch, ein wenig italienisch. Man lernt mit Rückschlägen umzugehen. Probleme zu erkennen, zu akzeptieren und zu lösen. Die Weisheit „man wächst an seinen Aufgaben“ stimmt. Die Schule habe ich 2018 mit dem Abitur abgeschlossen. Deswegen musste ich auch das erste Drittel inklusive Vorbereitung in der FIA F3 aussetzen. Seit Juli 2018 betreibe ich ausschließlich Rennsport. Mein Freundeskreis findet sich deshalb mehr im Rennzirkus. Man sieht sich also bei Test- und Rennterminen. Freunde zu Hause versuche ich zu treffen, wenn ich einmal in München bin. Aber nach der Schulzeit verstreuen sich die Kontakte eh, viele studieren in anderen Städten oder ziehen wegen der Arbeit weg. Und ich bin eben mit meinem Team unterwegs. Es macht riesen Spaß und es ist gut so. Außerdem gibt’s ja Social Media und Chat-Apps.

Seid leidenschaftlich!

Leidenschaft und Begeisterung sind die Voraussetzung für Motivation. Ohne Trainingswillen geht es nicht. Kleine Ziele setzen und strikt verfolgen. Dabei das große Ziel immer im Auge haben. Verfolgt dieses Ziel, auch wenn es lange dauert. Fixiert und konzentriert bleiben. Ablenkungen sind unvermeidlich, aber man sollte immer wieder den Weg zurück finden. Spaß haben!