Mein Motto: Wer glaubt etwas zu sein, hört auf etwas zu werden.Ulf


Irgendwie macht mir das Angst, wo ich jetzt nach eigentlich erst 7 Jahren Trainersein stehe. Ein bisschen als wäre ich noch im falschen Film. Ich denke mir immer, es muss doch irgendwann demnächst mal aufhören. Aber es geht immer weiter. Ich hätte dieses Jahr schon ein paar Angebote für Männer-Oberliga, Männer-Landesliga und Männer-3.Liga gehabt. Da würde man auch richtig Geld verdienen, aber ich lehne das alles noch ab und ich glaube, ich werde das auch noch eine Weile ablehnen, weil es mir zu schnell geht. Ich glaube es ist nicht gut zu sagen, ich hab jetzt großen Erfolg gehabt und bin schon etwas.  Ich glaube, dieser Erfolg zwingt mich eher dazu, noch mehr zu tun, um ihn zu erhalten, anstatt mich auszuruhen. Meine Ansprüche an mich selbst werden natürlich immer höher, je länger sich diese positiven Erlebnisse fortsetzen. Und ich bin auch froh darum, dass ich es bisher immer geschafft habe, mir neue Aufgaben zu setzen, mich immer wieder selbst herauszufordern. Ich glaube, es ist notwendig, sich im Zyklus von 3-4 Jahren in irgendeiner Form weiterzuentwickeln, sich wohin anders zu entwickeln. Und sich anders zu entwicklen bedeutet für mich immer eine Weiterentwicklung. Letztendlich ist als Trainer die Summe meiner Erfahrungen das, was mich auszeichnet.

Frei nach Dirk Nowitzki: Ich bin ein Schüler des Sports.

Es ist nicht schwer am Ball zu bleiben: Es macht alles einfach so dermaßen viel Laune und vor allem weil ich beim Arbeiten mit diesen Jugendlichen so dermaßen viel zurückbekomme. Ich hatte schon richtig beschissene Wochen, aber die drei Trainingseinheiten pro Woche, die haben mich wirklich hochgezogen, weil die Jungs dann eben Vollgas geben. Diese mega motivierten Jugendspieler, guter Handball auf gutem Niveau und ja- man investiert zwar viel, aber man kriegt einfach auch viel zurück. Es hält sich eine ganz gute Waage. Und wenn ich jetzt ein bisschen philosophisch werden darf, es gibt dieses Zitat von Dirk Nowitzki, der irgendwann mal zum Basketball gesagt hat: Er ist ein Schüler dieses Sports. Also weil er eben ständig was davon lernen kann und mir geht das genauso. Ich bin so fasziniert von diesem Sport, weil ich eben jeden Tag oder jede Woche nochmal neue Facetten lerne. Und es geht, denke ich, auch um diese persönliche/ soziale Komponente. Dass ich einfach mit ganz toll engagierten jungen Menschen arbeite und auch immer mal zur Beratung im Persönlichen herangezogen werde. Also wenn ich mir angucke, wie sich Jugendspieler teilweise weiterentwickeln, nicht nur handballerisch sondern auch persönlich und was für tolle Charaktere das da teilweise sind. Deutlich cooler als ihre Eltern meistens!

Das spricht mein Belohnungszentrum ultimativ an

Neben all dem ehrenamtlichem Handballtraining bin ich Ingenieur, ich schreibe gerade an meiner Dis und ich habe vor kurzem meine Masterarbeit in Psychologie abgegeben. Ohne den Sport, könnte ich mein Stresslevel gar nicht meistern. Also ob es jetzt mich selbst bewegen ist, ich kletter ja auch noch, gehe boldern, ich gehe eigentlich so einmal im Jahr segeln, joggen, ich spiele selbst Handball. Und diese Bewegung ist eben schon ein krasser Ausgleich zum Rest. Der Sport in den letzten Jahren war es besonders, der mich alles ein bisschen leistungsorientierter hat angehen lassen, auch wenn das vielleicht eklig klingt. D.h. jetzt nicht, dass ich immer auf Gedeih und Verderb gewinnen will, aber wenn ich jetzt joggen gehe, dann setz ich mir Ziele. D.h. ich gehe nicht joggen um mich einfach nur zu bewegen, sondern ich sage z.B. ich möchte in drei Wochen die 10km wieder unter einer Stunde laufen. Einfach, weil ich diese Erfolgserlebnisse super wichtig finde. Es ist schlichtweg schön was zu können, was man vorher nicht konnte oder ein Ziel zu erreichen, das man sich gesetzt hat. Das spricht mein Belohnungszentrum ultimativ an.

Mind over Body

Das hat dann auch dazu geführt, dass ich mir selbst im privaten Bereich so ein paar größere Trips auferlegt habe: Ich habe Irland in zwei Wochen mit Fahrrad und Zelt umrundet. Ein paar Jahre später eine Alpenüberquerung mit einem Kumpel. 14,5 Tausend Höhenmeter und 900 km Strecke in 9 Tagen. Dann habe ich eine geführte Schlittenhundetour durch Lappland gemacht. Jeden Tag eisige Kälte, man kriegt bei -20 Grad volles Kaliber den Schnee ins Gesicht und muss sich trotzdem 6 Stunden auf so einem Schlitten halten. Aber das wahrscheinlich krasseste war:

Die Kilimandscharo-Tour 2014. Das war eine richtige Grenzerfahrung.

Wir waren dort in einer Vierergruppe. Drei Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Als wir so eine gewisse Höhe überschritten hatten, wurde es echt eklig in Bezug auf die Fortbewegung. Pro Schritt zwei Atemzüge. Zum Glück war da ein Führer, der uns auch ein bisschen gepusht hat. Man quält sich 6 Stunden lang einen Schritt nach dem nächsten nach oben. Zwischenrast:  Einige der vier sagten, was wir alle dachten: „Ich will nicht mehr, ich will nicht mehr weiter.“ Und es war cool, dass ich dann trotzdem sagen konnte „Hey Leute, wir sind jetzt 10.000 km hierher geflogen. Haben schon so viel hinter uns gebracht. Der Gipfel ist jetzt genau noch 1 Stunde entfernt. Das kann doch nicht sein, dass wir jetzt aufgeben!“ Einer hat meine Motivationsansprache wohl leider nicht so ganz mitbekommen, aber die zwei Anderen sind dann tatsächlich noch hoch mit mir.

Das war wirklich cool: Da war eine Grenze und es ging darüber hinaus. Ein Adrenalinschub, den kann ich gar nicht beschreiben. Dieses: Ich war da. Ich wollte nicht mehr. Und dann habe ich irgendwie Mind over Body gemacht. Und mir war klar, das hätte  ich früher niemals gemacht. Und es macht mich definitiv selbstbewusster. Dass ich Dinge erreichen kann, von denen ich dachte, ich würde sie nie erreichen können.