Herzschlag bis zum HalsTony

Weil ich ab und zu wissen will, dass mein Herz noch schlägt, steige ich auf mein Rennrad und nehme unseren Hausberg ins Visier.

Ich schlüpfe in meine Radschuhe, schnappe mir eine Flasche Wasser, atme nochmal tief durch und rase so schnell ich kann dem Gipfel entgegen.
In diesen Momenten geht es für mich um Alles. Ich kann gar nicht sagen warum, es überkommt mich dann einfach dieses Gefühl.

Schon am Beginn der Steigung signalisiert der Körper:
Hier komme ich, dein Feind: Das Laktat!
Das Herz schlägt so laut, wie ich es sonst nie höre im Alltag. Die Muskeln brennen. Ich möchte etwas Wasser trinken, es geht aber nicht, denn ich brauche jetzt jeden Atemzug.
Ich atme laut, fast hechelnd, um irgendwie genug Sauerstoff in meinen Blutkreislauf zu pumpen.
Die Passagen sind hier über 20% steil. Viel steiler wird’s bei der Tour de France auch nicht mehr.

In diesen Momenten fühle ich mich den Großen ganz nah…
…den Ullrichs, den Armstrongs und all denen, die es sogar dopingfrei zu Spitzenleistungen bringen.
Ich bin ein ganz normaler Fahrradfahrer, habe weder eine besondere Begabung, noch viele Trainingskilometer in den Beinen. Trotzdem gehört das Fahrradfahren zu meinem Leben.
Auch im Alltag fahre ich jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit, das ganze Jahr, auch im Winter.
Ich bilde mir ein, das hält mich gesund und schützt vor Erkältungen.

Fahrradfahren ist überwältigend.
Nie kann ich den Blick von den Bergen so sehr genießen, wie wenn ich eben diese Berge gerade noch bezwungen habe…
…mit meinem Rennrad, welches leider viel zu oft alleine in der Garage steht.