Keep Rollin'Jan

Auf einmal war ich im DSF zu sehen. Und in der Bravo Sport. Im Flugzeug fragten mich Leute nach Autogrammen.

Wenn ich auf einem Brett stehe bin ich zufrieden und glücklich. Das ist einfach so bei mir eingraviert. Im Winter beim Snowboarden. Im Sommer beim Wellenreiten. Und dazwischen versuche ich so oft es geht auf dem Longboard zu stehen. Mit dem Boarden verbinde ich unglaublich viele Erinnerungen. Wo meine Story anfängt? Dafür muss ich etwas weiter zurückgehen…

Das Jahr: 1994. Damals ging der Snakeboard-Hype richtig los. Und ich fuhr zu meinem ersten Wettbewerb, den bayerischen Meisterschaften. Die fanden auf dem alten Flughafen in München-Riem statt. Im Gepäck hatte ich mein selbstgebautes Board. Damals hatte ich nicht genug Geld um mir ein eigenes zu leisten. Deswegen baute ich mir kurzerhand selbst eins zusammen. Der sportliche Aspekt stand erstmal im Hintergrund. Viel wichtiger waren die Leute, die ich dort traf. Zum Beispiel Lothar. Er war ein genau so verrückter Boarder wie ich. Und er fragte mich, ob wir nicht mal zusammen fahren wollen. Ich schloss mich seiner Gruppe an und wir machten dann immer Mittwochs am Isartor in München die Straßen unsicher.

Ich merkte schnell, dass ich besser wurde. Also meldete ich mich wieder zu Wettbewerben an. Bei der Europameisterschaft 1995 wurde ich auf Anhieb Fünfter. In der Szene hieß es dann: „Oh guckt mal, da ist ein Neuer am Start!“. Die ersten Sponsoren klopften an: Timezone, British Knights, Timberland und PowerBar. Ich wurde mit Klamotten überschüttet. Auf einmal war ich im DSF zu sehen. Und sogar in der Bravo Sport. Im Flugzeug fragten mich Leute nach Autogrammen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Geld habe ich damit nie wirklich verdient. Nebenher musste ich meine Ausbildung machen. Aber die Zeit war schon abgefahren!

Besonders hängen geblieben ist mir die Europameisterschaft 1996. Ich schaffte es bis ins Finale. Und nach dem Rennen stehst du dann da und wartest auf deine Zeit. „Hat es gereicht oder nicht?“ Das ging mir durch den Kopf. Und auf einmal wird dann dein Name durchgesagt. Dann kommen die ganzen Kameras und Menschen auf dich zu gerannt. Ich dachte mir nur:„Wow! Das ist der Wahnsinn!“

Um die Jahrtausendwende ist der Snakeboard-Hype abgeflacht. Meine Knie waren von der ganzen Geschichte auch ziemlich mitgenommen! Ich konnte kaum mehr im Kino sitzen ohne brutale Schmerzen zu haben. Also machte ich einen Cut und beendete das Kapitel. In der Rückschau muss ich sagen, dass dieser Abschnitt schon eine geile Erfahrung war. Nicht nur wegen der Erfolge. Sondern vor allem wegen den Leuten, die ich kennengelernt habe. Lothar ist heute – 20 Jahre später – mein bester Kumpel.

Natürlich konnte ich das Board-Ding nicht komplett aufgeben. Deswegen habe ich die nächsten Jahre viel mit Longboards rumprobiert. Ich habe mir Bretter genommen und daraus meine eigenen Boards gebaut. Probierte verschiedene Achsen und Rollen. Ich entschloss mich dazu, meine eigene Marke zu gründen: Butterbabe Longboards. Damals waren Longboards in Deutschland noch unbekannt. Und meine langen Bretter haben polarisiert: Es gab Leute, die haben mich blöd angesprochen. Aber da musste ich durch. Heute ist München überlaufen von Typen, die ihre Bretter unter’m Arm durch die Stadt tragen. Naja, ich stehe lieber drauf.

Inzwischen habe ich Zwillinge. Da bleibt nicht mehr so viel Zeit für meine Leidenschaft. Ich bin froh, wenn ich mit meinen Kumpels ab und zu fahren kann. Aber mal schauen was kommt. Meine Kleinen stehen inzwischen auch schon gut auf den Boards. Das macht Hoffnung. Auf einen Familiy-Trip mit Brettern natürlich.