Der Tag X - Kampfsport hat mir mein Leben gerettetSeyit

Ich sagte nur: „Joe, wir steigen jetzt aus, sonst bringen die uns um“.

„Digga, das sind doch Nazis!“, sagte ich zu Joe. 
Es war schon mitten in der Nacht, drei, vier Uhr, als wir mit dem kleinen Klapperauto nach Hause fuhren. Mein Kumpel Joe hatte an diesem Tag seinen Führerschein bestanden und deshalb waren wir nach Quickborn in den Club gefahren, um dort zu feiern. Es war ein lustiger Abend.

„Niemals! Das sind Polen oder Russen. Was für Nazis? Hier gibt’s keine Nazis…
…Wir sind hier Alter-Teichweg. Hier gibt’s nur Ausländer, wie uns“, sagte Joe zu mir und lachte. Wir standen an der Ampel im alten Teichweg und gerade hier in der Straße wohnten wirklich sehr viele Migranten. Es war ein bekannter sozialer Brennpunkt.
Doch diese 15 Jungs auf der anderen Straßenseite waren ganz bestimmt keine Migranten! Auch keine Polen oder Russen.
Mit ihren Bomberjacken, Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln sahen sie wirklich aus, wie Nazis aus dem Katalog. 
Deshalb zeigte ich nochmal auf die Typen: „Kuck doch Joe, das sind Nazis!“. 

Da war es schon zu spät. 

Die Gruppe hatte uns zwei Schwarzköpfe im kleinen Fiat Cinque-Cento schon entdeckt und kam zu uns rüber.
Ihr müsst wissen, dieses Auto ist eigentlich kein wirkliches Auto, eher ein Pappkarton mit Rädern. Die Glatzkopf-Truppe war schnell bei uns und fing an am Auto zu wackeln und es zu schütteln.

Wir saßen in der Falle. 

Das Schaukeln wurde immer heftiger, sodass sie das Auto auf einer Seite fast anhoben. 

Ich sagte nur: „Joe, wir steigen jetzt aus, sonst bringen die uns um“.

Während Joe versuchte das Auto anzukriegen, schnallte ich mich sicherheitshalber schon mal ab, um für alles bereit zu sein. Kämpfen konnte ich ja. Aber das hier waren einfach zu viele. Ich schaute durch die Scheibe in ihre aggressiven Gesichter.

BOOOOOOOM.
Einer der Truppe hatte aus seiner Jacke einen Baseballschläger rausgeholt und schlug damit auf die Motorhaube. 
Dann sprang er auf das Auto und schlug mit der Keule in die Frontscheibe.
Es ging nicht lange, da war auch die Scheibe zur Fahrertür eingeschlagen und zwei Typen zogen Joe dadurch ins Freie.

In diesem Moment bin ich auch raus auf die Straße.
Direkt bekam ich einen Schlag auf den Hinterkopf und ging zu Boden.
Zum Glück konnte ich meinen Kopf und mein Gesicht am Boden liegend schützen. Ich lag da in der Doppeldeckung, so waren die wichtigsten Körperteile geschützt. Die Tritte und Schläge versuchte ich mit meiner Rücken- und Bauchmuskulatur so gut es ging abzufangen. Das hatte ich ja in all den Jahren Kampfsport gelernt: „Schütze immer dein Gesicht und deinen Kopf!“.

Irgendwann schnappte ich mir mit der rechten Hand einen der Füße.
Ich zog den Typen zu mir runter. Er fiel um und mit meiner Linken zielte ich direkt auf seinen Kiefer. 

PAMM!
Der erste war KO.

Ich konnte mich aufrichten, rangelte mit einigen, wich Schlägen aus und konnte noch ein, zwei dieser Typen KO schlagen. Aber es waren einfach zu viele!
Als ich gerade ausholte, um dem nächsten einen Schwinger zu geben, sticht mir Jemand von der Seite in die Schulter. 

Ein anderer der Typen zog sein Messer und sticht es mir in meinen Hals.
Wo kamen plötzlich die Waffen her? Ein Dritter hatte ein Teppichmesser in der Hand und zog es mir durch das Gesicht.

Ich war sofort voller Blut.
Die Jungs ließen von mir ab und rannten weg.
Ich schaute rüber zu Joe.
Von den 15 Kerlen waren noch vier da. Einer stand über Joe und stach auf ihn ein.

Voller Adrenalin rannte ich hin und trat den Typen mit dem Messer von meinem Freund weg. Die Kerle ließen ab und machten sich auch aus dem Staub.

Es war ein schlimmes Bild, wie auf einem Schlachtfeld.

Ich riss mir mein T-Shirt vom Körper und wickelte es um meinen Hals, um die Blutung etwas zu stoppen.
Der Schnitt im Gesicht war so groß, dass man mit dem Finger von außen durch die Backe fassen konnte. 
Aber davon spürte überhaupt nichts.

Ich schnappte mir Joe, der bewusstlos am Boden lag und schleppte ihn mit letzter Kraft noch hunderte Meter bis zur nächsten Tankstelle.
Dort klopfte ich an den Nachtschalter und sagte: „Schnell, einen Krankenwagen!“.
Dann klappte ich zusammen.

Da lagen wir. Beide halb tot.

Ich wachte erst im Krankenwagen wieder auf. Die Blutung hatte der Notarzt gestoppt. Ich war noch wie in Trance.

Joe hatte es schlimm erwischt. Er lag auf der Intensivstation.

Fortsetzung folgt… (Mehr zu Seyit –> weiter unten)

Coaching-Tipps und Trainingspläne

Für Seyits Coaching-Tips und Trainingspläne hier anmelden!

Unter allen Teilnehmer*Innen verlosen wir eine Personal-Training-Einheit mit Coach Seyit (in Hamburg).