In der Schule riefen sie mir keine netten Sachen zu.Franka

Ich war eigentlich schon immer super sportbegeistert und habe mich in der Schule am meisten auf die Sportstunden gefreut. Wie es oft so ist, habe ich in der Pubertät aufgehört Sport zu machen – es gab eben andere Dinge die interessanter waren. Und das hat man dann natürlich auch irgendwann im Spiegel gesehen. Mit 15 hat meine Mom mich dann mit in ein Sportstudio genommen wo ich dann 3 bis 4 mal die Woche war. Ich hab zu dieser Zeit zwar wieder abgenommen, aber war eben nicht dünn. Das Frauenbild aus den 90er Jahren ließ eine Statur, wie meine, nicht unbedingt im besten Licht glänzen.

Nachdem ich die Schule abgeschlossen habe, gab es wieder eine längere Zeit, in der ich keinen Sport gemacht habe. Ich war mit vermeintlichen Freunden zusammen, für die gesunde Ernährung, Sport und geistiges Bewusstsein keine Rolle gespielt haben. Mir ging es zu dieser Zeit emotional nicht gut und auch mein Körper ließ mich das spüren. Ich bekam Schwindelanfälle, war ständig erkältet und hatte eine chronisch blutende Gastritis. Irgendwann bin ich den Schritt gegangen und habe mir therapeutische Hilfe geholt. Irgendwas musste sich ändern.

Im Zuge dieser Therapie habe ich gelernt, den Sport für positiven Stressabbau zu nutzen. Immer noch geprägt von irgendwelchen Schönheitsidealen fand ich mich wieder häufiger im Fitnessstudio. Und hatte nach wie vor den klassischen Wunsch dünn zu sein wobei mein Körper mit jedem verlorenen Kilo immer schwächer wurde. Ich konnte im Gym zwar viele Probleme vergessen, schuf mir gleichzeitig aber wieder neue. Ich war damals oft bemüht und sehr gestresst beim Sport. Das Training und die wenigen Kalorien haben mich müde gemacht. Ich war ständig gereizt und schlecht gelaunt. Sport war zu dieser Zeit mehr Arbeit als Freizeit. Kein Wunder, dass bald die nächste Sportpause an die Tür klopfte. Diesmal bestimmt für drei Jahre.

Mit einem neuen Therapeuten, bekam ich auch einen neuen Zugang zu mir. Ich verstand, dass nichts von draußen mir geben könnte, wonach ich mich sehnte. Ich war nie ein Teamsportler, als kam ein Verein nicht in Frage um mich wieder mehr zu bewegen. Und ich das Fitnessstudio eigentlich immer mochte, bin ich letztendlich wieder dort gelandet.

So richtig in meine Rolle habe ich erst vor drei Jahren gefunden.

Ich habe mit dem Kraftsport angefangen, HIIT eingebaut, meine Ernährung umgestellt und gelernt mich in meinem Körper wohl zu fühlen. Zu dieser Zeit hat sich auch mein Mindset um 180 Grad gewendet. Der Schlüsselmoment für dieses Umdenken war der Moment in dem ich begriffen habe, dass niemand von außen mich so sehr lieben kann wie ich mich selbst lieben muss. Niemand kann mich so sehr loben, bereichern, mich bewundern oder anerkennen wie ich es selber tun muss. Die Bewunderung von außen ist temporär, wenn die Person von außen sagt, du siehst schön aus hält es nur so lange an, wie ich glaube, dass die Person Recht hat. Erst, wenn ich alleine in mir drin sagen kann, ich bin stolz auf mich, schön, gut, mutig, stark, usw., erst dann ist es wahr und ich kann daran glauben. Ich habe angefangen, für mich Sport zu machen, mich für meinen Körper gesund zu ernähren und nicht, um in irgendein Schema zu passen. Früher fühlte ich mich oft zu breit, heute weiß ich, dass mein starker Rücken mir aus dem Stand 20 Klimmzüge erlaubt, früher waren meine Beine nur dick, heute tragen sie mich durchs Leben und squaten 120 Kilo. Jetzt ist die Meinung der Anderen nicht egal, aber eben auch nicht entscheidend. Man kann nicht jedem gefallen, aber ich gefalle mir, jetzt mit 34 besser als mit 24 in der Umkleide. 

Der Sport im Allgemeinen hat mir immer geholfen mich zu spüren,

…egal wie weit ich von meinem Inneren entfernt war, beim Sport konnte und kann ich mich spüren. Der Kraftsport hat meinen Körper geformt, er lehrt mich meine Grenzen, benötigt meine gezielte Aufmerksamkeit, wenn ich mir nicht weh tun will, er macht mich im geistigen und im körperlichen Sinne leer und angenehm erschöpft. Der Sport gibt mir mein Selbstbewusstsein, stark und schön zu sein. Niemand anderes kann für mich machen, was ich dort leiste und das ist gut so, denn ich möchte keine einzige Stunde missen, in der ich Schweiß und Kraft lasse.

Im Unterschied zu damals ist Sport heute kein Zwang mehr. Ich mache gerne Sport, bin aber nicht fanatisch. Wenn es einen Tag gibt, an dem ich müde bin, lieber Freunde und Familie treffen mag, dann mache ich das. Es ist heute eine Ergänzung zu meinem körperlichen und seelischen Wohlbefinden. Ich schaue was er braucht und was ihm gut tut und stehe nicht mehr stundenlang auf einem Cardiogerät um in eine Jeans oder Rollenvorstellung zu passen. Ich mache es ganz allein für mich. Und das hat alles verändert.

Sport macht mich zu der meist fröhlichen und ausgeglichenen Person, die ich heute bin.

Es verbindet für mich meine Freizeit und meinen Lebensstil. Ich treffe dort meine liebsten Menschen oder lerne neue Freunde kennen, vergesse den Arbeitsstress und kann mich spüren. Für mich ist Sport der optimale Ausgleich. Ich liebe es über den Sport Gleichgesinnte zu treffen. Mit den richtigen Leuten wird Sport, egal in welcher Form, immer zu einem besonderen Erlebnis.