Ich werde die Ausnahme sein….und das war ich!Agnes

Ich war eigentlich schon so gut wie auf dem Weg nach Kapstadt, als ich dann an der Boulderwand den Grip verlor und abgerutscht bin. Auch wenn es nur zwei Meter waren, hatten die es offenbar in sich. Die Schmerzen waren im ersten Moment durch den Schock zweitrangig, ich habe nur gehofft, dass ich in ein paar Tagen wirklich nach Kapstadt fliegen kann. Nachdem mir noch in der Boulderhalle das Knie eingerenkt wurde, ging es dann mit Blaulicht ins Krankenhaus, wo später festgestellt wurde, dass so ziemlich alle Bänder gerissen waren. Das Joggen könne ich abschreiben, sagten mir die Ärzte. Für mich war das allerdings keine Antwort.

Ich wusste, dass ich wieder joggen werde…

Schon vor der OP habe ich mir vorgestellt wie es sein wird, wenn ich wieder joggen kann. Hab mir meine Kopfhörer aufgesetzt und meine Laufmusik gehört und mir selbst gesagt, dass ich spätestens 6 Monate nach der OP wieder laufen werde.

„Ich werde die Ausnahme sein….und das war ich!“

Nachdem ich nach 3 Monaten meine Metallschiene abnehmen durfte, fing ich direkt wieder an viel zu wandern und zu gehen. Einfach um den Muskelaufbau zu fördern. In der Klinik in der ich behandelt wurde gab es ein Anti-Schwerkraft Laufband, das es mir ermöglichte zwei-drei Monaten nach der OP zu joggen. Aber eben nur mit einem Teil meines Körpergewichts.

Zum Jahreswechsel vor meinem Unfall hab ich mir gesagt, dass das kommende Jahr ein sehr sportliches Jahr werden soll. Ich bin 2017 meinen ersten Halbmarathon gelaufen und wollte 2018 dann den ganzen Laufen. Nun ja, daraus wurde dann natürlich nichts. Dennoch – es verging kein Tag an dem ich keinen Sport gemacht habe. Nach der OP habe ich zum Beispiel viel mit Tera Bändern gemacht oder 100 Situps gemacht. So gesehen, hatte ich also mein sportliches Jahr. Be careful what you wish for! Viele sagen immer, man solle dem Körper Ruhe gönnen, das Bein hochlagern. Aber hey, was gibt es Besseres für die Blutzirkulation als in den Kopfstand zu gehen? Man muss nur das Beste aus der Situation machen und den Glauben nicht verlieren.

Es war der 23.Juli 2018, ein schöner warmer Sommertag…

Ich ging auf die Laufbahn von der Uni in Zürich und fing einfach an zu laufen. Ach es war toll! Aus 3 Kilometern wurden 4 und ich dachte, dass wenn ich 4 Kilometer schaffe, dann packe ich den 5. auch noch. Ich wäre am liebsten noch weiter gelaufen, habe aber aus Vernunft aufgehört. Und geweint. Vor Glück natürlich. Ich habe mir mein Ziel gesetzt und wusste, dass ich wieder laufen werde und habe es geschafft. Es war ein unglaubliches Gefühl mir, und besonders den Ärzten die meinten, dass es sowas eigentlich gar nicht gibt, zu beweisen, dass es das gibt und ich es geschafft habe. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Dennoch hat mir diese Sportpause gelehrt, dass ich mehr auf meinen Körper hören muss. Der Körper gibt uns immer Zeichen – aber meist überhört man diese. Nach meiner OP habe ich auch sehr darauf geachtet was ich esse. Ich habe also speziell Lebensmittel zu mir genommen, die entzündungshemmend wirken und viel Knochenbrühe gegessen, da das gut für den Knorpelaufbau sein soll. Mein Arzt meinte, dass es Wahnsinn sein, dass mein Knorpel nicht mal einen Kratzer hat… obwohl so viel kaputt war. Ich bin davon überzeugt, dass Ernährung eine große Rolle spielt.

Die Bestätigung, dass man alles  schaffen kann wenn man nur daran glaubt und darauf hinarbeitet,…

…Habe ich bekommen als ich am 20.April 2019, also 1 Jahr und 3 Monate nach der OP, den Halbmarathon in Kapstadt gelaufen bin. Das war für mich mein persönliches Ziel und ich habs geschafft. Und wieder – keine Schmerzen.

Viele bemitleiden einen ja immer, wenn man eine Verletzung hatte etc. aber ich bin jetzt fitter als zuvor. Mein Learning, dass eine Verletzung kein Nachteil ist. Im Gegenteil. Ich habe so unglaublich viel über mich selbst und meinen Körper gelernt. Das hört sich vielleicht verrückt an, aber könnte ich die Zeit zurückdrehen und an diesem Tag nicht bouldern gehen – ich würde es nicht machen. Es war ein hartes Jahr aber gleichzeitig habe ich in dieser Zeit so viel gelernt.

Sport bedeutet für mich frei sein.

Egal welchen Sport ich mache ich fühle mich einfach nur frei. Je nach Sportart eben alleine oder zusammen mit Freunden. Es gehört für mich zum Leben wie das Zähneputzen zweimal am Tag. Ich liebe es ausgepowert zu sein, zu schwitzen. Wenn ich viel reise und nicht dazu komme regelmäßig Sport zu machen, dann fühle ich mich nicht gut. Ich brauche das einfach zum Glücklich sein.

Laufen finde ich so schön, weil man es überall machen kann. Man braucht keine Fitnessstudio-Mitgliedschaft oder teures Equipment. Einfach Laufschuhe an und es kann losgehen. Es ist so einfach aber gut. Ob ich nun nachdem ich mein Ziel vom Halbmarathon erreicht habe noch den ganzen laufen werde, weiß ich noch nicht. Im Moment bin ich zufrieden wie alles ist. Das letzte Jahr habe ich extrem viel trainiert, manchmal ist es dann auch an der Zeit kurz etwas fauler zu sein.

Bis der nächste Reiz kommt….und der kommt bestimmt!