Einer, der Hand und Fuß hatUlf

Wie die meisten habe ich angefangen Fußball zu spielen. Das lief ganz gut. Ich habe in der Auswahl gespielt. Ich war zum Probetraining beim VfB Stuttgart. Aus bestimmten Umständen ging es dann aber mit dem Leistungssport nicht weiter. Also bin ich zurück in meinen Heimatverein. Zu dieser Zeit hatten nur all meine Freunde dort schon aufgehört. Ich war ungefähr 14, als ich dann irgendwann auch keine Lust mehr hatte und erstmal nichts mehr gemacht habe. Nach einer Weile luden mich aber zwei Freunde ein, die schon immer Handball gespielt haben, mal mit in die Sporthalle zu kommen. Also Kumpel geschnappt und mit ihm dorthin gefahren. In der Pause haben der Kumpel und ich dann ein paar Bälle aufs Tor geschmissen. Einfach so. Dachten wir. „Hey Jungs, wir können immer gut Spieler gebrauchen. Ich erwarte euch beim Training.“ Toni, der Trainer stand vor uns. Wir haben es erstmal als Witz verstanden. War es aber nicht. Nach zwei Wochen hatte er nochmal nachgehakt. Also haben uns die beiden anderen mitgenommen zum Training. Und irgendwie fanden wir das cool, dass wir vier Freunde zusammen Sport machen durften. Also haben wir angefangen Handball zu spielen.

Eigentlich war das immer so ein Hobbysport

Bisschen bewegen, bisschen über den Platz rennen, ganz ehrlich gesagt, saßen wir auch teilweise nur zum Biertrinken zusammen. Ich war zwar immer schon bewegungsbegeistert, aber das war nie leistungsorientiert. Und dann lief das eben so ein paar Jahre dahin bis auch ich erwachsen war.

Oh Captain mein Captain!

Ich war ungefähr 22 oder 23 als ein Mitspieler mich fragte, ob ich nicht mal Trainer machen wolle. Ich so, naja – hab dann nebenher ein bisschen als Co-Trainer fungiert. Später fragte er: „Willst Du nicht mal ne Trainer-Lizenz machen? Das bringt Dich wirklich weiter.“ Also war ich das erste Mal in der Landessportschule in Baden-Württemberg auf diesem Lehrgang. Und ich war so hin und weg, von dem, was mir da erzählt wurde. Plötzlich war es eben nicht mehr nur Handball, man schmeißt nen Ball durch die Gegend, passen, fangen, werfen, springen. Plötzlich war da viel mehr dahinter: Die Dinge waren wissenschaftlich belegt und man konnte sich richtig damit auseinandersetzen! Und das hat mich völlig aus der Bahn geworfen.

Von Null auf Hundert

Ab jetzt war klar: Ich will eine Mannschaft trainieren. Ich hatte Glück. In dem kleinen Verein in Köngen, in dem ich war, gab es eine Jugend, die ganz gut war. Alle hatten so ein bisschen Bewegungstalent. Also hab ich angefangen mit denen zu arbeiten. Und es war wirklich krass: Quasi von 0 auf 100 sind wir in der C-Jugend in die höchste Liga, die es so gibt, aufgestiegen. Württemberg Oberliga hieß das dann. Und dann hatte ich genau wie meine Jugendspieler damals Blut geleckt, hatte auf einmal so Bock auf Erfolg und meine Jugendspieler haben enorm mitgezogen. Ich hab sie bis zur A Jugend, trainiert, also fünf Jahre begleitet, bis Mitte 2017. Nebenbei auch noch die nächst höhere Trainerstufe, die B-Lizenz gemacht. Das war nochmal so ein BOAH. Also so ein den Sport noch krasser verstehen. Diese fünf Jahre lang waren wir durchweg mega-erfolgreich für so einen kleinen Dorfverein mit 2 Trainingseinheiten die Woche. Vier der Jungs spielten später in der Jugend-Bundesliga und einer durfte sich sogar im Nationalkader vorstellen.A

Anruf von Unbekannt

Ehrlich gesagt, dachte ich da noch, ich mach da so mein Ding und das kriegt keiner mit. Aber weit gefehlt. 2016 schon hatte ich den Anruf vomTV Bittenfeld bekommen, ob ich nicht in die A-Jugend Bundesliga wechseln wolle. Ich hatte nur schon meinem alten Verein eine mündliche Zusage gemacht für ein weiteres Jahr. Und  da wir uns im Sport bewegen finde ich es wichtig, mündliche Zusagen einzuhalten. Also habe ich das Angebot erstmal zurückgestellt. So ein paar Momente später dachte ich klar: Bin ich eigentlich komplett bescheuert?! Interessanterweise hatten sie mich ein Jahr später nicht vergessen. Also ab nach Bittenfeld. Nächster Run. Als ich dorthin kam, war die Mannschaft neunter. Wir mussten uns erneut für die Bundesliga qualifizieren. Nach einer relativ anstrengenden Qualifikationsrunde mit Höhen und Tiefen haben wir das geschafft. Nicht nur das: Kurz darauf haben wir uns dann gleich noch für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Und es war eben wieder so: Nach einem Jahr, so viele Aspekte passen zusammen und- zack- Deutsche Meisterschaft.