Durch den Sport habe ich einen starken Willen und Ehrgeiz entwickeltRaphael

Sport war für einen Jungen wie mich, der in der ehemaligen DDR großgeworden ist, vorprogrammiert. Heute ist das ein wenig anders. Die Zahl derer, die Sport machen ist kleiner als die Zahl derer, die keinen machen. Früher war so ziemlich jeder, den ich kannte, in einem Sportverein.

Für mich ging es damals dann zum Fußball. Wie viele andere Jungs war ich in dem Alter ein Fußball-Narr. Die Sichtung ging damals schon im Kindesalter los und ich hatte das Glück dadurch zu einem Verein wechseln zu können, der damals in der höchsten DDR-Liga spielte. Das Training dort war natürlich auch dementsprechend professioneller und intensiver.

Durch den Sport habe ich einen starken Willen und Ehrgeiz entwickelt. Vor allem bei der Leichtathletik, wo ich später war und vor allem die Mittelstrecke gelaufen bin, habe ich gelernt, dass man im Wettkampf auf sich allein gestellt ist. Ich konnte niemandem außer mir die Schuld geben, wenn ich eine Leistung nicht abgerufen habe oder konnte. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Im Prinzip habe ich zu dieser Zeit die Grundlagen für alles, was ich gemacht habe und heute mache, gelernt.

Mit der Wende habe auch ich mich sportlich umorientiert. Viele Jungs schauten gern Kampfsportfilme und träumten davon genauso durch die Gegend springen zu können wie die Schauspieler in den Filmen. In der DDR gab es als Möglichkeiten Ringen, Boxen oder Judo. Davon hat mich aber nichts interessiert. Mit 14 oder 15 habe ich dann mit Taekwondo angefangen. Ein Freund von mir, der dort trainierte, nahm mich mal zum Training mit. Und dann bin ich geblieben.

Aufgrund von Zeitmängeln musste ich dann auch diese Sportart an den Nagel hängen. Für mich ging es dann eher mit funktionellem Training, Krafttraining, HIIT und dem Ultramarathon weiter. Ich habe mein ganzes Leben Sport gemacht und wusste, dass ich auch beruflich diesen Weg einschlagen möchte. Damals gab es da bei weitem noch nicht so ein riesiges Angebot wie heute. Du konntest eigentlich nur Sportlehrer werden. Ich habe mich für Ökotrophologie (Haushalts- und Ernährungswissenschaften) in Bernburg entschieden und machte eine Ausbildung im Bereich Sportrehabilitation.

Ich wollte etwas Eigenes.

Mittlerweile arbeite ich seit gut 20 Jahren als Kampfsport- und Fitnesstrainer und seit 2005 als Personal Trainer. Der Weg zu meinem Ziel nahm langsam Gestalt an.

Vor 10 Jahren bin ich den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen. Mit einem Freund habe ich „Das Trainingslager“ gegründet. Ein Ort für Personal Training, an dem ich Konzepte für Unternehmen im Bereich Gesundheit und Prävention ausarbeite, als Dozent im Bereich Ernährung und Gesundheitsmanagement tätig bin und auch Schauspieler und Models auf Videodrehs und Fotoshootings vorbereite.

Die Idee entstand durch das Training mit einem Kunden in dem Studio, in dem ich zuvor gearbeitet habe. Es war zu den Stoßzeiten unmöglich dort in Ruhe und konzentriert mit den Kunden zu arbeiten. Es war laut, die Geräte waren besetzt. Ich wollte etwas Eigenes. Einen Ort, an dem ich ohne Stress und ganz fokussiert auf die Ziele des Kunden hinarbeiten kann.

Der Anfang war wirklich schleppend. Wir hatten eine klare Vorstellung von der Lage und wie die Räume aufgeteilt sein sollen. Aber die passende Location dafür zu finden schien fast unmöglich.

Als wir diese dann aber gefunden haben, ging alles sehr schnell. Wir hatten das Glück vorher schon einen relativ festen Kundenstamm zu haben, so hatten wir die Sicherheit, dass wir einen festen Umsatz im ersten Monat haben werden.

Mein Ziel ist, dass jeder, der in Berlin Personal Training machen will, als erstes über „Das Trainingslager“ stolpert. Dass die Leute wissen, dass in dem Studio professionell gearbeitet wird und die Ziele erreicht werden. Es soll der Anlaufpunkt für Personal Training sein.

Personal Trainer zu sein ist wirklich ein schöner Job. Das Schönste ist, wenn man sieht wie die Vorstellungen und Ziele der Kunden sich nach und nach erfüllen. Dass sich die harte Arbeit und die Konsequenz auszahlt und dass die eigene Herangehensweise dann nicht so verkehrt war.

Für mich ist da eigentlich jeder Fortschritt ein besonderer Moment. Wenn man mit seinem Kunden eine Bestandsaufnahme der anvisierten Ziele macht – sei es Gewichtsreduktion, Muskelaufbau oder die Vorbereitung auf einen Lauf – und man sieht, dass man dem Ziel ein Stück nähergekommen ist.

Es ist schon ein gewisser Kick dabei.

Auch mein sportlicher Weg hat sich mit den Jahren verändert. Die größte Veränderung war sicherlich der Umstieg von der Mittelstrecke auf die Ultradistanz. Ich bin immer regelmäßig gelaufen. Mit der Zeit wurden dann auch die Distanzen immer länger. Man denkt sich irgendwann, man könnte ja mal einen Halbmarathon laufen. Und so nimmt dann alles sein Lauf…

Man läuft ein paar Halbmarathons mit und will den nächsten Schritt machen: Marathon.

An diesem Punkt gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Man läuft einen Marathon und dann nie wieder. Das sind häufig Läufer, die sich wirklich auf den einen Marathon vorbereiten.
  2. Man läuft weiter Marathons und versucht sich stetig zu verbessern. Das habe ich selbst eine Zeitlang gemacht, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem der Zeit-Nutzen Aufwand zu groß wird.
  3. Man will neue Herausforderungen und schauen wie weit man (wortwörtlich) gehen kann. Die Ultraläufe finden im Gelände statt. Das heißt man läuft wenig bis selten auf Straßen oder in Städten. Nur Natur. Auch deshalb mag ich diese Läufe so. Auch wenn es während des Laufs nicht unbedingt immer so viel Spaß macht.

Du treibst deinen Körper dabei auf Höchstleistungen und testest seine Grenzen aus. Interessanterweise sind die Ausfallquoten weitaus geringer als beim Marathon oder Halbmarathon. Ich denke, das liegt wahrscheinlich daran, dass die Läufer wissen, worauf sie sich einlassen. Der Kopf spielt eine wichtige Rolle.

Man kommt oft an den Punkt, an dem man sich fragt, wieso man das tut. Aber aufgeben gibt es nicht. Vor dem Lauf teile ich mir die Strecke in Teiletappen ein. Dass man nicht aufgibt, liegt sicher auch daran, dass man oft irgendwo im nirgendwo steht und nicht die Möglichkeit hat sich in einen Bus oder die Bahn zu setzen. Man darf einfach nicht ständig daran denken, wie weit es noch ist. Ab einem gewissen Punkt wird das demotivierend. Um mich abzulenken unterhalte ich mich gerne mit anderen Läufern oder denke über andere Sachen nach. Manchmal löse ich auch Matheaufgaben.

Das Gefühl danach ist unbezahlbar. Die Erschöpfung merkt man gar nicht so stark. Wichtig ist, dem Körper nach dem Lauf das zurückzugeben, was er während des Laufes verloren hat: Flüssigkeit, Mineralstoffe etc. . Danach überlege ich mir welchen Lauf ich als nächstes machen könnte. Auf meiner Liste steht noch der Mauerlauf in Berlin. Das sind 100 Meilen an der ehemaligen Mauer entlang. Und The Big Five in Südafrika. Den würde ich auch sehr gern mal machen.

Mir ist es wichtig erreichbare Ziele zu setzen und sich mit kleinen Zwischenzielen immer wieder neue Motivationsschübe zu geben. Ein guter Tipp ist da übrigens ein Trainingstagebuch, um die einzelnen Fortschritte sehen zu können. Aber ja…. Am meisten motiviert mich eine klare Zielsetzung.