Don´t worry be Ninja WarriorNatalia

„Du bist super fit. Du machst Kickboxen. Du bist stark. Du solltest bei Ninja-Warrior mitmachen.“ meinte eine Freundin zu mir, als ich in Amerika lebte. Sie war schon in der vorherigen Show. Also hatte ich ihr gesagt: Weißt du was? Warum nicht!

Ich hatte keine Ahnung, was ich da mache! Aber damals dachte ich, so ein bisschen über die Teile springen, von hier nach da und klettern, krieg ich schon hin. Ich hab kurz davor, vielleicht ein-,  zweimal ein Hindernis angeschaut, aber nie ausprobiert. Wir haben uns einfach mit einem Video beworben. Und tatsächlich haben sie uns von Millionen Bewerbern in den USA ausgewählt. Natürlich bin ich am ersten Hindernis rausgeflogen. Aber durch die ganze Geschichte mit Kickboxen etc. wurde ich im Fernsehen gezeigt. Es war mir so peinlich als Sportler! Also einerseits war es mir nicht peinlich, weil ich dachte, hey ich war dabei, das ist überhaupt schon was Cooles in den USA, dass man reinkommt. Aber dann blamier ich mich so und flieg in der ersten Runde, am ersten Hindernis raus! Zwei Jahre später hat mich wieder eine Freundin dazu überreden wollen, weil sie mitmachen wollte. Und sie sagte: „Du warst schon dabei. Ich glaube, ich krieg größere Chancen, wenn wir uns zusammen bewerben.“ Dann sagte ich „Ok wir machen das. Aber wenn sie uns nehmen, mach ich nicht mit.“ Naja, dann haben sie aber nur mich genommen und sie nicht.

Also dachte ich: Irgendwas passiert in meinem Leben. Und ich glaube fest daran, dass es schon einen Grund hat, warum alles so ist wie es ist und dass Sachen im Leben manchmal in einer bestimmtem Reihenfolge passieren. Auch die schlechten Sachen. Also dachte ich, ok, irgendwas ist passiert, dass ich da wieder mitmachen sollte. Dann hab ich natürlich wieder mitgemacht. Diesmal bin ich noch früher rausgeflogen als beim ersten Mal. Aber an diesem Tag in Chicago hab ich ganz viele Menschen, Freunde kennengelernt, die auch diesen Ninja-Sport machen. Sie haben mich dann in Ninja-Hallen eingeladen. Also habe ich tatsächlich erst nach 2 Jahren angefangen überhaupt an den Ninja-Hindernissen zu trainieren und habe mit Boldern angefangen. Das hat mir super Spaß gemacht! Das war auch wieder so ein neuer Sport für mich, wo am Anfang natürlich nichts geklappt hat, aber ich bin dran geblieben, weil ich besser werden wollte. Und dann habe ich mir vorgenommen: Ok sollte ich jemals wieder in diese Show wollen, dann erst wenn ich richtig gut bin. Ich hab natürlich im Training gesehen, es gibt Mädels, die können die ganzen Sachen ohne zu Zwinkern und ich bemüh mich richtig überhaupt irgendwas zu schaffen. Als ich aber trainiert habe, habe ich gemerkt, man wird schon besser mit der Zeit. Und natürlich hatte ich irgendwo im Hinterkopf den Gedanken. Einmal muss ich noch mitmachen, weil ich kann das doch nicht so stehen lassen, dass ich jetzt zweimal so richtig verkackt hab.

Dann kam die deutsche Version raus. Meine Eltern riefen an: „Hey, du musst da mitmachen!“ Also hab ich noch einmal in  Deutschland mitgemacht und hab‘s unter die TOP 3 aller Frauen geschafft. Das ist so eine Geschichte, die ich gerne den Leuten erzähle: Ich hab‘s beim ersten Mal komplett vermasselt. Ich bin beim ersten Hindernis ins Wasser geflogen. Und ich hab mich getraut wieder mitzumachen. Und war wieder so schlecht. Und dann hab ich aber nicht aufgehört, weil ich so schlecht war. Diese Niederlagen haben mich so dazu motiviert, mich zu verbessern. weil ich wusste, ich kann das eines Tages. Aber ich muss natürlich darauf trainieren. Und ich kann nicht einfach hingehen und denken, ich bin sportlich, ich schaff das.


Meine Philosophie: Alles ist viel einfacher.

Manchmal bin ich enttäuscht, wenn ich auf Social Media Fitness v.a. unter Frauen sehe, weil einfach sehr oft sehr falsche Werte propagiert werden. Sehr oft dreht es sich wirklich nur ums Aussehen und wie gefall ich den Anderen und es gibt ganz viele Profile, auf denen sich die Mädels quasi verkaufen, um gut auszusehen. Ich glaube sehr viele Menschen haben heutzutage ein richtig verfälschtes Bild von Fitness. Wenn ich beispielsweise meiner Mutter sage: „Komm geh ins Fitness-Studio!“ Dann heißt das für sie, sie muss jeden Tag ins Fitness-Studio, muss aus der Tupper-Dose essen und muss ständig Kalorien zählen. Und dann klingt alles natürlich so richtig anstrengend und spaßbefreit.

Mein Ziel ist es aber, den Menschen Bewegung und Sport und überhaupt das Aktiv-Sein nicht als Fitness-Studio zu verkaufen. Dass gerade Frauen anfangen, sich so zu akzeptieren wie sie sind und nicht einfach ein Bild von irgendeiner Frau im Kopf haben, der sie nacheifern.

Ich hatte Kunden, die waren über 70 und die haben zum ersten Mal in ihrem Leben mit Sport begonnen. Das geht auch. Jeder hat andere Ziele, jeder hat einen anderen Lebensstil. Meine Philosophie ist, dass eigentlich alles viel einfacher ist. Es muss nicht unbedingt das Fitness-Studio sein, man kann sich auch im Freien bewegen, man kann alles mögliche machen. Hauptsache es macht Spaß und man sitzt nicht zu Hause und guckt Fernsehen jeden Tag. Und das gleiche betrifft auch die Ernährung und das gleiche betrifft auch die Einstellung zu allem im Leben, ob es Arbeit oder Sport ist oder alles andere. Dass man es einfach nicht so serious und schwer nehmen sollte.

Für alle, die mehr von dieser klugen Powerfrau sehen wollen:

Schaut das: SUPER HERO GERMANY. Samstag, 20.04.19 um 20:15 Uhr auf Pro7.