Bewegung tut mir gut und setzt Glücksgefühle freiAnna

Früher war ich eher ein Stubenhocker. Ich hätte meinen Kopf tagelang in Büchern vergraben können und wäre glücklich gewesen. Aber meinen Eltern war es wichtig, dass ich auch „mal rauskomme“ und so habe ich als Kind viele Sportarten ausprobiert. Vom Handball über Reiten und Tanzen bis hin zur Leichtathletik. Vieles davon hat mir Spaß gemacht, anderes gar nicht. Handball war mir persönlich viel zu ruppig – das bin einfach nicht ich. Weder körperlich noch charakterlich. Aber so muss man sich halt durchprobieren, um das zu finden was zu einem passt.

Mit dem Schulabschluss, dem Umzug in eine andere Stadt und dem Beginn meines Studiums ist meine Sportroutine komplett eingeschlafen. Damals habe ich mich nur noch darauf fokussiert, meinen Kopf zu trainieren und mit Wissen zu füllen. Schon nach kurzer Zeit habe ich mich damit total unwohl gefühlt. Mein Körper hat sich verändert und ich fühlte mich total träge. Mein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl waren damals nicht besonders gut und ich stand unter selbstgemachtem Dauerstress. Ich musste irgendwas tun, also bin ich ins nächste Fitnessstudio marschiert. Das muss ungefähr 2011 gewesen sein. Die Bewegung tat mir gut und ich fühlte mich schnell besser in meiner Haut. Damals bin ich 4-5 mal pro Woche ins Studio gedackelt und wurde zum richtigen Fitness-Freak. Einerseits um meinem Ausgleich zu meinem kopflastigen Alltag zu schaffen, ein bisschen auch um eine innere Leere zu füllen und mir selbst zu beweisen, dass ich etwas kann.

2017 habe ich dann die Fitness Trainer Lizenz gemacht. Dabei ging es mir weniger darum als Trainerin zu arbeiten, sondern vielmehr darum mich weiterzubilden und mir das nötige Basiswissen für meinen Job als Fitnessredakteurin bei der Women’s Health anzueignen. Durch den Job und die Kollegen hat sich mein Training nochmal sehr verändert. In der Redaktion von Men’s Health arbeiten ein paar sehr gute Trainer wie Nico Airone, Martin Werner und Arndt Ziegler. Die Mittagspausen-Workouts mit den Jungs waren gnadenlos – und ich so fit wie nie zuvor. Meine Lieblingsübung waren Langhantel-Kniebeugen – gerne mit richtig schweren Gewichten.

Das Trainingslevel und die Intensität konnte ich allerdings nicht ewig durchhalten. Aufgrund meiner Autoimmunerkrankung (Hashimoto) hatte ich immer wieder große Schwierigkeiten mit Fatigue und mein Körper brauchte sehr lange, um sich von einer intensiven Trainingseinheit zu regenerieren. Zwangsläufig musste ich so mein Training anpassen und lernen, mehr auf die Signale meines Körpers zu hören. Zu dieser Zeit habe ich dann Yoga und Inside-Flow für mich entdeckt.

Ich würde schon sagen, dass Yoga mein Leben verändert hat.

Inside Flow ist eine dynamische Vinyasa Choreographie bestehend aus Asanas, die im Takt zu einem bestimmten Song geübt wird. Das ist nicht nur körperlich fordernd, sondern sieht gleichzeitig auch unglaublich leicht und geschmeidig aus. Die perfekte Kombination aus Yoga und Tanz.

Ich habe diese Yoga-Richtung mehr oder weniger zufällig bei einem Workshop von meinem Freund und Inside Flow Senior Teacher Hie Kim kennengelernt und war sofort verzaubert. Diese anmutigen Bewegungen zu Musik im Fluss der Atmung fühlten sich so neu und wunderschön an – ich wollte nichts anderes mehr machen. Beim Inside Flow verschmelzen Bewegung, Musik, Atmung, Herzschlag, Schweiß und Gefühl und ich kann ganz in dieses wundervolle Flow-State eintauchen.

Beim Krafttraining bin ich trotzdem geblieben – wenn auch deutlich seltener. Irgendwann habe ich in unserem Fitnesskeller dann nur noch die Yogamatte ausgerollt, während die Jungs ihre schweren Gewichte stemmten. Das passte einfach besser zu mir.  Seitdem flowt bei mir alles etwas anders – geschmeidiger, anmutiger und näher am Leben.

Durch meinen Job ist Sport für mich natürlich allgegenwärtig. Ich habe dadurch einen guten Überblick, was sportlich gerade besonders im Trend liegt und kann viel Neues ausprobieren. Allerdings bin ich dadurch auch wählerischer. Ich selektiere viel mehr und weiß genau, was mir guttut und was mir keinen Spaß macht. Laufen zum Beispiel ist gerade wieder super angesagt, macht mir aber überhaupt keine Freude. Also lasse ich es. Durch meinen eigenen sportlichen Werdegang weiß ich inzwischen, dass ich nicht auf jedem Sportfest mittanzen und nicht jeden Workout-Trend testen muss.

Ich habe gelernt, nur das zu machen, was mir wirklich guttut, und gleichzeitig offen zu bleiben für neue Einflüsse, die das Potenzial haben meinen Horizont zu erweitern.

Ich habe auch gelernt meinem Körper die Ruhe zu geben, die er sich einfordert und braucht. Wenn ich keine Lust auf Sport habe, lasse ich es sein. Ich zwinge mich nicht. Dass ich keine Lust auf Yoga habe, kam allerdings noch nie vor. Und falls es doch mal passieren sollte, würde ich statt der schweißtreibenden Flow Stunde in eine sanfte Restorative Yoga Klasse gehen. Das ist, finde ich, so ziemlich die schönste Art, all das Müssen des Alltags loszulassen und sich und seinem eigenen Körper etwas Ruhe zu schenken.

Aktuell arbeite ich daran, dass meine Bewegungen noch geschmeidiger und meine Balancehaltung noch stabiler werden. Außerdem probiere ich mich seit einiger Zeit am Handstand, obwohl ich ein ziemlicher Angsthase bin. Auch wenn das mehr eine Geduldsprobe als ein persönliches Ziel ist. Mein Ziel ist es ein Leben lang so aktiv und beweglich wie möglich zu bleiben, ein gutes Körpergefühl beizubehalten und die beste Yogalehrerin zu werden, die ich sein kann.

Ab Oktober unterrichte ich nämlich im Urban Yoga Hamburg Inside und Vinyasa Flow. Es werden durchaus fordernde, dynamische Klassen. Es geht mir dabei weniger um Performance oder eine bestimmte äußere Form, sondern darum sich im Fluss der Atmung zu spüren und wahrzunehmen, was dabei im Inneren vor sich geht.

Oft ist der Körper ein guter Spiegel unserer Seele und Bewegung im Fluss der Atmung eine gute Möglichkeit sich selbst wieder mehr zu spüren. Diese Verbindung möchte ich durch meine Yogastunden stärken und durch kleine Erfolge auf der Matte die Selbstwirksamkeit meiner Teilnehmer erhöhen, bis sie selbst erkennen, dass alles, was sie brauchen, schon immer in ihnen steckt.